Der Weg ist das Ziel.



Ich war am Wochenende in der Lüneburger Heide unterwegs, mit Fiete, dem Australian Shepherd meiner Mutter - er macht gerade vier Wochen Urlaub bei mir in Hamburg.

Wir sind auf dem Heidschnuckenweg gewandert.


Für mich hatte es tatsächlich auch ein bisschen was von Pilgern, denn ich habe die Zeit genutzt und einfach mal meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Interessant, was da alles so für Themen an die Oberfläche kommen und auch welche Lösungen.


Auf meiner Lebensliste steht tatsächlich auch der Camino de Santiago, der Jakobsweg.

Der Heidschnuckenweg war jetzt also mal ein vorsichtiges Herantasten an das Unterwegssein zu Fuß und das Pilgern, also das Laufen-und-sich-dabei-Gedanken-machen.


Jetzt mach schon.

Und ich hatte es eigentlich auch schon die letzten Jahre, als Fiete zu Besuch war, vorgehabt... aber der Klassiker... irgendwas war immer und hielt mich bisher davon ab. Aber dieses Jahr wollte ich mein Vorhaben endlich in die Tat umsetzen. Eine Stimme in meinem Kopf wurde jetzt ziemlich hartnäckig und wollte einfach nicht verstummen: "Jetzt mach schon. Nicht dass Du eines Tages bereust, es nicht getan zu haben."


In Hamburg am Samstag noch ausgiebig gefrühstückt und dann, um Kräfte zu sparen, keinen großen Morgenspaziergang mit Fiete gemacht, nur einmal um den Block bis zum Auto - wir würden später ja noch genug laufen. Auf diesen 500 Metern kam mir mein Rucksack schon elendig schwer vor. Erstes Learning: Besinnung auf das Wesentliche ist wichtig und mitunter essentiell. Reise immer mit leichtem Gepäck, wirf allen unnötigen Belast ab, schlepp nicht irgend einen Kram mit Dir rum der Dich nicht weiterbringt!


Wird schon!

Ich bin kein erfahrener Wandersbursche und konnte ganz schlecht einschätzen, wieviel Kilometer ich denn so schaffen kann an einem Tag? Ich bin mit Fiete schonmal umme Außenalster rum, das sind 7,4 Kilometer und danach war ich ganz schön platt. Das war also mein Gradmesser... Jetzt war der Plan am Samstag die erste Etappe über 17 Kilometer von Handeloh nach Undeloh zu laufen und am Sonntag 14 Kilometer weiter nach Niederhaverbeck. Nun denn. Ich lauf einfach mal los... Wird schon!


Ich habe mir also mehr zugetraut als ich bisher unter Beweis gestellt hatte. Man wächst ja bekanntermaßen mit seinen Herausforderungen.


Der Weg ist das Ziel.

Unser Tagesziel war grundsätzlich einmal besagtes Undeloh, beziehungsweise der Gasthof "Heideschmiede". Aber dieses Ziel war auf dem Weg dorthin tatsächlich erst einmal zweitrangig. Über fünf Stunden ging es sprichwörtlich erst einmal nur geradeaus und wir haben es einfach nur genossen unterwegs zu sein. Wir hatten keinen Zeitdruck, wir wurden nicht durch irgendwas oder irgendwen abgelenkt. Jeder von uns war ganz bei sich und auch beim anderen. Wir haben unsere Zeit zusammen in dieser wunderbaren Landschaft sehr genossen.


Die Tour begann am Start in Handeloh mit dem 1. Schritt und endete im Ziel in Undeloh mit dem 26859. Schritt. Ein Schritt nach dem anderen... das brachte uns von A nach B nach C nach D... bis zu unserem Gasthof. Ich wußte nicht wieviel Schritte ich brauchen würde, wo uns der Weg entlang führen, was uns auf diesem Wege passieren und begegnen würde? Aber Eines war ich mir immer klar: Wir schaffen das!


Und dann: 5 Stunden Zeit mir über alles mögliche Gedanken zu machen, darüber was mich zur Zeit alles so beschäftigt und berührt. Wann nimmt man sich schon mal so viel Zeit dafür? Zuhause im Alltag hat man doch ständig was zu tun, sowohl im Job, als auch privat. Mal eine halbe Stunde in Stille, ohne jegliche Ablenkung, einfach mal nur Zeit zum Reflektieren, Entscheidungen treffen, Lösungen finden? Ich habe zum Einen Abstand zu meinen Themen bekommen und plötzlich kam mir alles auch einfach "machbar" vor.


Mir wurde bewusst, dass ich wie hier beim Wandern, eben nur einen Schritt nach dem nächsten gehen muss, in meinem individuellen Tempo. Und wenn ich das tue, wird es mich an mein Ziel bringen. Ich kenne nicht den ganzen Weg der vor mir liegt, ich weiß nicht durch welche Täler er mich führt, über welche Höhen oder wer mir auf dem Weg begegnen wird. Ich weiß auch nicht wie lange ich für diesen Weg brauche. Aber ich weiß, dass ich irgendwann im Ziel ankommen werde. Aber eben nur, wenn ich auch loslaufe und den ersten Schritt mache und nach dem ersten folgt wie selbstverständlich der zweite und so weiter und so fort.


Irgendwann auf dem Weg gab es auch kein Zurück mehr und Aufgeben war sowieso nie eine Option.


An Abzweigungen, an denen ich hätte links oder rechts gehen können, entschied ich mich intuitiv für eine Richtung und habe einmal tatsächlich sowas wie eine Extra-Schleife gedreht. Erst habe ich ein bisschen geflucht, denn mir taten die Füße schon ein bisschen weh, aber dann das Positive an diesem kleinen Umweg erkannt. Ich kam nämlich an einer Kuhherde vorbei und da ich Kühe sehr mag, war es ein wirklich schönes Aufeinandertreffen. Die Kühe sind über die Koppel an den Zaun gerannt gekommen und wir haben uns tief in die Augen geblickt. Das machte mir große Freude und berührte mein Herz.


Umwege sind immer für irgend etwas gut!

Wichtig auf dem Weg, wohin auch immer, also jetzt auch mal so generell, ist es also zunächst einmal, sich überhaupt auf den Weg zu machen. Aber auch anzuhalten, wenn Du eine Pause brauchst! Setz Dich auf eine Bank und blicke zurück und mach Dir bewusst, welchen Weg Du bereits zurückgelegt hast! Nutze die Pause zum Durchschnaufen und tanke neue Energie. Ich hatte natürlich auch ein bisschen Proviant dabei, etwas zu Essen und Wasser zu trinken. Aber nur wenn ich schaue, dass es mir selbst gut ergeht, kann ich mich auch um das Wohlergehen von anderen kümmern, in diesem Falle um meinen Hund.


Wir haben auf dem langen Weg viele kleine Zwischenziele erreicht, ich habe mich jedesmal sehr darüber gefreut und es hat mich angespornt weiter zu gehen. Am Abend habe ich dann das Erreichen des Endziels gefeiert, war stolz auf den Stempel in unserer Wanderkarte, zischte ein kühles Getränk und belohnte mich mit einer erfrischenden Dusche und einem köstlichen Abendessen. Tatsächlich gab es auch genau das Essen, wie ich es mir gewünscht und vorgestellt hatte. Aber die beste Belohnung für den anstrengenden Tag, war das gemütliche Bett und darin alle Viere von mir zu strecken.


Neue Wege gehen!

Der Plan für den zweiten Tag war eigentlich auf dem Wanderweg die nächste Etappe zu laufen und mit Bus und Bahn zum Ausgangspunkt zurück zu kommen. Anfang Juni ist noch vor der eigentlichen Saison, wenn die Heide blüht und der Heide-Shuttle fährt noch nicht. Beim Frühstück habe ich unsere Herbergswirtin nach den Möglichkeiten gefragt, ihre Antwort war leider unbefriedigend, denn entweder mega aufwendig mit mehrmaligen Umsteigen und Dauer von 2,5 Stunden oder Quatsch und teuer per Taxi. Nun war also Flexibilität gefordert, es läuft eben nicht immer nach Plan. Also sind wir kurzerhand wieder zurück nach Handeloh und haben an den Abzweigungen dann diesmal eben den anderen Weg genommen, denn ich wollte neue Wege gehen und nicht die ausgetretenen Pfade!


Long story short.

Es ist wichtig dass Du ein Ziel hast, im Kleinen wir im Großen. Dann mach den ersten Schritt und laufe los, auch ohne den kompletten Weg genau zu kennen und zwar mit möglichst leichtem Gepäck. Laufe in Deinem individuellen Tempo und halte an, wenn Du eine Pause brauchst. Blicke auch mal zurück und erfreue Dich am Erreichen Deiner Zwischenziele. Sei stolz auf Dich und glaub an Dich. Aufgeben ist keine Option. Wenn Du stets einen Schritt nach dem anderen machst, wirst Du eines Tages Dein Ziel erreichen. Und auf dem Weg schau links und rechts des Weges, es gibt so viel zu entdecken und auch Umweg kann ein wahrer Glücksfall sein, es kommt nur darauf an, was Du daraus machst.

It’s up to you!

Herzlichst, Martina


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 2018 © Martina Fellinger 

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